NEUES VON FREUNDEN



copyright Alfred Graf

© Alfred Graf @ Galerie Atrium ed Arte

BALLKALENDER | RADIOKUNST : ART’S BIRTHDAY 2009 “WALTZ ME”

czz-neuesvonfreundenSchön langsam starten wir den in|ad|ae|qu|aten Ballkalender des Neuen Jahres - offiziell zumindest , denn hinter den Kulissen wird bereits an allerhand gewirkt und gewerkt , dessen Showside wir peu à peu in den kommenden Wochen offenbaren . Und es wird dicht zugehen , so viel sei jetzt schon mal verraten .

À propos “Ballkalender” passt das diesjährige Motto des international am 16. Januar zelebrierten “Art’s Birthday 2009” nach Interpretation der “Ars Acustica”- Group der Europäischen Rundfunkanstalten ( EBU ) ganz gut zum angesagten 3/4- Takt- Thema : Nach der Parole “WALTZ ME” wird man sich international wieder per Kabel , Satellit und Radioleitungen zusammenschliessen , die Ströme in Sammelbecken wie dem KUNSTRADIO auffangen , aussenden ( ja : Sendetermin ist tatsächlich Freitag ! ) und gleichzeitig Party feiern . Die “Art’s Birthday 2009 – Review” läuft dann Sonntag , 18. 1. zum üblichen Sendetermin . Kunst as Kunst can : Diesmal in der besonders reizvollen Location der - an dieser Stelle bereits ausführlich gewürdigten - Ausstellung “Zauberhafte Klangmaschinen” | “Magical Soundmachines” im “Institut für Medienarchäologie” ( IMA ) zu Hainburg an der nur Kargwasser führenden , dafür aber dort sehr schönen blauen Donau .

Da , wie eben schreckhaft bemerkt , heute bereits Mittwoch ist ( wer kennt sich da noch aus ? ) , ist unser ritueller Hinweis auf Andreas Hagelükens monatliche Radiokunst- Anthologie “Neue Radiokunst international , # 20” ( @ “ARS ACUSTICA” - jeden ersten Dienstag im Monat auf SWR 2 , 23 H ) irgendwie von der Zeit überrannt worden . Schade .

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WIEN : ECHORAUM- JUBILÄUM - “ZEICHEN & WUNDER”

czz-neuesvonfreundenAber feiern darf man schon jetzt , nämlich dass der “echoraum” - jenes exzeptionell weltoffene , denkerisch und künstlerisch dem übrigen Wien weit vorausgaloppierende Hinterhäuschen in sozusagen der hiesigen Bronx - 20 Jahre alt wird : Kunst, Performance , Neue Musik , eine Reihe kybernetischer und konstruktivistischer Publikationen ( Heinz von Foerster ! ) , eine legendäre Reihe von Arno- Schmidt- Aufführungen , angewandte Tagebuchforschung- und weltumspannende - praxis etc. pp. .

Kurz und gut : Temporär zum “Salon 13” transformiert , ist dort heute Lisa Spalt mit ihrem preisgekrönten Text “E, L, P, T, U” ( formerly known as “T-U-L-P-E _1” bis “T-U-L-P-E_3” im “Salon Littéraire” ) zu Gast , begleitet von einem Schattenspiel- Film von Mario Bräuer . Das ensemble on_line bringt Clemens GadenstättersFIGURE | Iconosonics I für Klarinette, Streichtrio und Klavier” ( pdf ) zur Aufführung .

Und theoretisch reagiert Thomas Eder auf das Dietmar- Dath- Syndrom mit einer Rede “Was wir von Affen lernen können. Neo-darwinistische Ästhetik und ihre Kritik”. - Sollten noch Fragen offen bleiben : Für Buffet und Umtrunk wird im “echoraum” üblicherweise gesorgt . Heute , 7. 1. , 20 H .

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WIEN : JOSEF WINKLERS BÜCHNERPREISREDE REDUX

czz-neuesvonfreundenHerumgereicht von Staats- zu Büchnerpreis und mit einem frischen Werk im Gepäck , bekam das gemeine Publikum von Josef Winkler jüngst nicht viel zu sehen ( … die mail art seiner regelmässig aus aller Herren Länder eintreffenden Postkarten einmal ausgenommen ) . Nun tritt er gleich zweimal auf im und beim lieblichen Wien , wo er kommenden Donnerstag im Literarischen Quartier aus seiner Büchner- Preisrede liest sowie Passagen aus dem zu Zeiten der Buchmesse bereits durch den ungewöhnlichen Titel aufgefallenen Prosaband “Ich reiss mir eine Wimper aus und stech dich damit tot” ( edition suhrkamp ) . - Literarisches Quartier Alte Schmiede , Donnerstag , 8. 1. , 19 H .

Ähnliches Programm , anderer Kontext , anderer Ort , kaum nach Wochenfrist : Josef Winkler in Lesung und Gespräch im Rahmen des Symposiums “RITUAL.MACHT.BLASPHEMIE - Kunst und Katholizismus in Österreich seit 1945” ( dazu in|ad|ae|qu|at mehr kommende Woche ) - Essl Museum , 3400 Klosterneuburg , Sonntag, 18. 1. , ab 10 H . ( Passend zum Anlass werden aus der Sammlung Werke zu “Kunst und Spiritualität” herausgezupft und ausgestellt . )

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WIEN - WELT - BILD

czz-neuesvonfreundenAuf den ersten Blick zwar ein Terminkonflikt am Donnerstag , doch geht sich ein Vernissagenbesuch post lectionem erfahrungsgemäss locker aus : Silvia Grossmanns Galerie Galerie Atrium ed Arte eröffnet die Ausstellung “Die Welt - Stück für Stück - Vielfalt” mit einer Installation von Fotografien und Bildobjekten des manifest materialorientierten Künstlers Alfred Graf ( home ) . Eine seiner Bildkompositionen aus Totale und Close- up gibt auch das Titelbild ab für die heutige Ausgabe der NVF . - Galerie Atrium ed Arte , Donnerstag , 8. 1. , ab 19 H .

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KLANGAPPARAT

Angehörs den ungeheuerlich dicht verzwirbelten Breakbeats von “Skaphander Skanks” , der letzten Release von Photophob aka Herwig Holzmann , seines Zeichens Mitbegründer des superben Netlabels  l a r i d a e , legten wir in|ad|ae|qu|at noch den Vergleich mit den czz-hoerempfehlungvirtuosen Squarepusher- Alben nahe . Nun haben sich aber , seit Squarepusher mit “Just a Souvenir” eine ziemlich irre Mischung aus acoustics , billigsten Anfang- Achtziger- Electronica und sensationellen baselines vorgelegt und Photophob seinerseits eine abrupte Wendung ins geradezu Melodische genommen hat , gehörig die Relationen verschoben .

Anderseits hat Holzmann in der Rolle des “Gritli Moser” und ihrem “Cha-Cha-Cha With The Devil” ja bereits seine erstaunliche Band ( oneon )- Breite bewiesen und Aufbrüche in Richtung organischer Klangfarben auf “about the living things” demonstriert . Vergleichende Studien beweisen : Hier macht einer keine halben Sachen . Was selbstredend auch für “Memplex” gilt , den jüngsten coup de grâce , diesmal unter stimmiger Einwebung diverser field recordings . Solcherart akustisch bekräftigt , mag man getrost das neue Jahr in Angriff nehmen . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) .

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Gert Jonke | 8. 2. 1946 - 4. 1. 2009 | Eine Wiesenpolemik



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czz-pikto-blind-fuer-todNachdem sich das schnellverklingende Echo der “Redner rund um die Uhr” in den Nachruf- Kommandos der Feuilleton- Geschwader verflüchtigt hat , wollen wir dem Autor postum Gelegenheit geben , diesem Verhallten selbst nachzurufen .

Und zwar mit seiner “Wiesenpolemik” , welcher er wider die professionellen Schnellexegeten und “Eindeutigkeitsidiotisten” bei Gelegenheit einer Klagenfurter Tagung gehalten hat und aus deren Dokumentationsband ( Sonderzahl 1998 ) wir in|ad|ae|qu|at zitieren :

Wenn aber Literaturfachleute wie sogar Literaturkritiker aus den Seiten gewisser Feuilletons heraus zeitungsraschelnd vordergründigst fordern und nichts anderes als Eindeutigkeit und Trivialisierung der Literatur für nötig und erforderlich finden, kommen mir diese Eindeutigkeitsidiotisten vor wie dilettantische Botaniker, die, mit einem Grashalm herumfuchtelnd behaupten, dieser herumgefuchtelte Grashalm sei die einzige und eindeutige Antwort zur Auflösung eines schwer verständlichen Wiesenrätsels und dabei ganz vergessen, dass sie ja von jeder Grashalm- und Blumensorte, die in dieser hypothetisch angenommenen Wiese wächst, mindestens je einen Halm durch die Luft fuchteln müssten, um besagtes Wiesenrätsel wenigstens als halbwegs gelöst beantwortet behaupten zu dürfen; aber selbst, wenn sie erfahren, dass sie dieses Wiesenrätsel nur dann restlos beantworten könnten, wenn sie sämtliche Grashalme, die der Wiese entspriessen, auszuzupfen hätten, um das Wiesenrätsel restlos und endgültig beantwortbar vor uns hinbehaupten wollten, wird die Wiese von diesen Literaturbotanikern, die gar nicht bemerken, dass, nachdem sie sämtliche Grashalme besagter Weise ausgezupft haben werden, die Wiese gar nicht mehr da ist, von diesen Eindeutigkeitsidiotisten auch notfalls mutwillig gemäht, um dann anschliessend das getrocknete Gras in ihren Köpfen einzulagern wie in Scheunen hinterstirniger Tennen, und solche nichts als Heu und Stroh beinhaltenden Köpfe solcher Fachleute, nach wie vor Eindeutigkeit verlangend von Literatur, indem sie nach leichter Verständlichkeit bzw. vordergründig sofort vollziehbarer und somit leichter Lesbarkeit schreien und darauf weiterhin als Botaniker die Literatur beackernd von den Schreibenden mehr Klarheit oder Lesbarkeit, aber in Wirklichkeit Eindeutigkeit und den Nachvolzug dieses Eindeutigkeitsidotismus forderndn damit, dass die vom Wind durch die Luft geblasenen Buchstabensamenwolken der Literatur, wenn sie in die Köpfe augen- und ohrenwärts geblasen wird, hinkünftig gefälligst zur Folge haben müsse, dass aus jedem der von den Buchstabennebelfetzenwolken der neu zu verfertigen Literatur berührten Köpfe jeweils eine einzige und zwar immer gleiche Blumensorte von Gedanken kopfauswärts wachsen, spriessen und blühen dürfe, statt dass wie bislang aus lesenden Köpfen, die ich Sie nun mit Blumentöpfen bzw. Blumenbeeten zu vergleichen oder stellvertretend behauptbar an die Stelle der Köpfe zu treten sich vorzustellen bitte, jeweils eine neue und jeweils eine andere Blume oder Pflanze aus den jeweiligen Köpfen, Töpfen, Beeten, aus den kopfaus daraufhin spriessenden Gedanken gewachsen ist, und somit auch immer neue und von den Botanikern natürlich stets übersehene oder zwangsläufig übergangene Gewächse oder Blumen gewachsen oder erblüht sind, die als neu entdeckte Blumen, die aber soeben erst zum ersten Mal und zuvor noch nie und danach nie mehr und nur ein einziges Mal aus den jeweiligen Köpfen, Töpfen, Beeten erblüht sind, aber jeweils nur ein einziges Mal, ( …) müsste spätestens dann die für die tatsächlichen Pflanzen zuständigen Botaniker der Horror packen und sie würden mit Recht die Flucht ergreifen, um nichts zu tun zu bekommen mit besagten ständig neu sich maskierenden und ihre Botanikeraugen nichts als zum Narren haltenden ständig wechselnden Blumenkostümierungen (…) .

… die flüchtenden Botaniker, die brüllend von Heu und Stroh verstopften Köpfe besagter Literaturbotaniker, die uns einreden wollen, man soll sich am besten in alle schreibenden und lesenden Köpfe von ihnen eine holländische Tulpenzwiebel einsetzen lassen, denn dann wachse endlich aus jedem Kopf die eine gleiche leicht verständliche holländische Tulpe heraus, die eine wie ein Haar dem andern gleiche, wie das Haar des jeweiligen Kopfs dem andern. ( …)

Aber spätestens wenn diese besagten Literaturbotaniker, die noch immer mit ihren Grashalmen fuchteln und damit jede Wiese einfach abgemäht behaupten wollen, wenn wir sie auf eine Brennnessel hinweisen, die aus einer Blumenzwiebel plötzlich blitzartig uns vor Augen tritt, dann behaupten, das sei gar keine Brennessel, sondern eine Tulpe oder zumindest eine Brennesseltulpe, eine sogenannte, das sehe man doch deutlich oder nicht, und wenn die auch noch behaupten sollten, da ihnen diese plötzliche in unser Gesicht geschossene Brennessel nicht und nicht in ihren Kopf hinein will, weil die Brennnessel in ihren Köpfen die gemütliche Heimeligkeit des dort eingelagerten Heus und Strohs gefährdete, solche Köpfe darauf behaupten sollten, die Brennessel müsse sofort ausgerissen und verbrannt werden, müsssten uns beim Wort verbrannt spätestens Alarmglocken klingeln, so dass wir solchen Literaturidiotistenbotanikern zum Teufel sich zu scheren gefälligst, sie auf ihre nach wie vor gefuchtelten sogenannten Grashalme hinweisend, endgültig erklären, und zwar ganz eindeutig, ihre sogenannten Grashalme seien ja in der Tat in Wirklichkeit inzwischen Stohröhrchen aus Plastik, die nicht im fernsten mit irgendwelchen Wiesen etwas zu tun haben könnten länger und mit denen sie bitte hinkünftig endlich Milch trinken sollten oder Coca Cola anstatt weiter uns mit ihren Leselustbarkeitseindeutigkeitsidiotismen zu belästigen aus ihren raschelnden Zeitungsseiten, die nicht zum Lesen, sondern zum Einheizen geeignet [ sind ] oder um ihre Köpfe damit einzuwickeln wie Kohlköpfe, aber nicht unsere. ( … )

( Kursivierungen : czz )

Dürer Das grosse Rasenstück

Abrecht Dürer : Das grosse Rasenstück , 1503

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Quelle : Klaus Amann ( Hg. ) : Die Aufhebung der Schwerkraft. Zu Gert Jonkes Poesie - Sonderzahl 1998 , p. 202 - 206 ( more … )

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Salon Littéraire | Elfriede Gerstl & hertbert j. wimmer : TEXTANSICHTSKARTEN



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Elfriede Gerstl & hertbert j. wimmer :

TEXTANSICHTSKARTEN

 

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Elfriede Gerstl

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hertbert j. wimmer

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Hinweis :

herbert j. wimmer liest aus “kühlzack & flexer. aggregat*** : Wien , Literarisches Quartier Alte Schmiede , Dienstag , 13. 1. 2009 , 19 H

*** Auszug “Im Schwellenwirtshaus” @ “Salon Littéraire

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For the record | LINGO 08 / V : Die Neusprech- Nation



||| WERK UND WORT | PR UND POESIE | CHRONISTEN DER WORTWÄHRUNG | ZUKUNFTS- SPRUDEL- STRUDEL | RELATED | KLANGAPPARAT

WERK UND WORT

lingo 09 orangeMag am Anfang das Wort gewesen sein und der Adamit erst durch göttliche Benennung aus Lehm zum Menschen geworden sein : In Zeiten der galoppierenden Glossolalie von Medien , PR , Prognstophilie und eines wogenden Globaljargons sind es oft erst die Wörter , welche die Phänomene und Syndrome erschaffen ( früher bekannt auch als “Pschyrembel- Komplex” ) . Zugleich aber erhebt sich angesichts der unablässigen Er- Findung von neuen Dingen , ungekannten Sachlagen und frischen Krisen ein ständiger Wortnotstand , den es gilt , per Eigen-, Entlehn- oder Fremdsprache “prokommunikativ” zu beheben .

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PR UND POESIE

lingo 09 orangePoesie und Dichtung spielen , hélas , in dieser tagesaktuell brandheissen Neologismus- Schmiede die geringere Rolle : Die Grosswerften der “Public Relations” lassen derartige Mengen NeuSprech vom Stapel und in den aktuellen Sprachgebrauch laufen , dass die Qualität der literarischen Manufaktur just in ihrer Schlagzeilen- und Jargonuntauglichkeit besteht .

Begriffssudio-Monika-Rinck

( click to XL )

BEGRIFFSSTUDIO

Monika Rincks - hier verschiedentlch zitiertes - “Begriffsstudio” sein ein eigenwilliges Beispiel hierfür . Die “Begriffslieferungen ” der Dichterin verweigern sich mit widerborstigem ( Trans- ) Formationswtz und in unorthodoxer Kombinatorik gefundener Membra Disjecta dem Klein- und Wechselwortgebrauch des Alltags und passen in keinen Diskurs- Automaten . Weshalb auch die Münze der poetischen Wortwährung nicht jenen Touch des Abgegriffenen aufweist , welche das Wechselgeld der Promotoren rasch in die Schmelze zurückgehen lässt .

2376 eine grammatische migräne
2377 adornautik
2379 mithilfe der circum-flex
2383 horrorbude innerlichkeit
2384 probiertes entgleisen
2385 sonoritätshierarchie
2390 scheinheiliges bedenklichtun
2394 heidegger, der ökobenz
2395 sinnverlassenes gehabe
2402 versteifte treuherzigkeit
2405 prothesen zur unzucht mit rosen
2412 blowable player
2414 hintertreppennaturalismus
2415 sein amoralischer intensivismus
2418 strudelbude
2420 liveübertragung vom entzündungsherd
2423 seltsamsprechung
2430 das senile am apodiktischen
2445 mid-linguistic limbo
2455 utopocalyptic
2468 the kellner of no return
2469 die kolonne der zahlungswilligen
2470 kasuistik der selbstsucht
2481 eine frage der weisheitsästhetik
2500 die hochbegabte ortskraft
2521 edelrohbauphase
2523 hämeneutik
2536 als hausmeister der welt
2539 faustische schubumkehr
2540 bewegtheit im thesenhafen
2554 der service der freien objektwahl
2555 trotzyoga

Enzyglobe

ENZYGLOBE

Der Wortwitz des von René Gisler initiierten und mittlerweile aus mehreren Schrachschöpfkellen gespeisten “Enzyglobe ” zeichnet sich durch seine mitunter infantile Anarchik aus , bleibt indes wohlgeborgen im Kosmos seiner fröhlich kalauernden Monologik .

  • Angstgestellter - Pass bloß auf, sonst melde ich dich der Personqualabteilung.
  • Avantiquariat - Umschlagplatz für schnell alternde Güter
  • billness - Krank vor offenen Rechnungen.
  • Fußgängelzone - Untoter Winkel unter dem Tisch. Besonders prekär mit hyperaktivem Kind gegenüber.
  • Gebärdereiniger - Nie mehr schmutzige Gesten !
  • Hohnerhöhung, die - Erhöhung des Spaßfaktors durch allgemeines Gelächter und Hohn vgl. Hohnig
  • hundmade - von der Hand in den Hund
  • Neoblogismus - korrekter Eintrag im Enzyglobe ;-)
  • Nokio - Vorschlag zur Umbenennung von Helsinki im Rahmen einer Public-Private-Partnerschaft.
  • Schecksekunde - Socash ist anscheckend. Knebelwirkungen bizlang unerkont.
  • Schwatzarbeit - “Red und Antwort stehlen ”. Verwaltungsraten und andere Gremien heimsen Kohlen ein, ohne schwarz zu werden. - Übrigens: Sind eigentlich schwatzarbeitende Talkmasters sozialversichert?
  • Separeh - abgesondert lebendes Wild
  • Sounddreck {m.} - kennt jeder
  • Sündonym - Harmlose Umschreibung für was anständig Unanständiges, … ( more )
  • Trennsetter - Kampfhund der sich selber an der Beute beteiligt. Rotbeiler ist auch so einer.
  • Verunwortung - despektierliche Bezeichnung für Neologismieren
  • Zanktionen - Kommen meistens über eine längere Zeitdauer vor den finalen Sanktionen.
  • Zwangsvollschreckung - Unfreiwillige Geisterbahnfahrt

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CHRONISTEN DER WORTWÄHRUNG

lingo 09 orangeGanz anders verfahren da die Sprach- und Jargonsammler , welche die Wechselwährungen des Tages mitnotieren und in ihren Blogs - sei es mit oder ohne polemische Anmutung - präsentieren . Detlef Gürtlers “Wortistik” ( in der taz ) bekennt sich mit seinen Notaten über akuten Sprachverbrauch klar zur Tradition des humanistischen Sprachkritikers Rolf Schneider .

wortistik

Da langt der Linguist Anatol Stefanowitsch mit seinem Bremer Sprachblog schon mal kräftiger hin , um heillose Lingo- Verhältnisse ( und deren - politische sowie mediale - Stifter ) in ihre Schranken zu weisen . Mag zwar die taz in ihrer eben erschienenen Eloge den jungen Professor von den “Sprach- ist- gleich- Deutsch“- Pflegern und pfiffigen Besserwissern à la Bastian Sick scheiden : Ganz ohne Dogmatismus geht es auch in Bremen nicht zu und spielerisch wird hier nur wenig genommen . Aus in|ad|ae|qu|atem Wiener Blickwinkel muss jede Verknüpfung mit dem Komplex “Karl Kraus” aus gutem Grund unterbleiben .

Bremersrpachblog

Im Vergleich zum Bremer Imperium verhielt es sich in dem auf Schweizer www- Boden ( “monarchisch” ) errichteten “Wortreich ” nachgerade gemütlich . Michael Staubs “Lanze [n] (oder wenigstens eine Stricknadel)“- Ritt “für präzisen Sprachgebrauch” hat Ende Oktober allerdings nach drei Jahren seinen Parcous beendet . Was bleibt , ist ein hüsches Inventar der “good , bad and ugly ” . Stilstand

( click to XL )

Auch Klaus JarchowsStilstand” bietet seit einiger Zeit Wörtliches an , wobei der Akzent weniger auf Kurzwaren und Detailhändel um einzelne Vokabeln liegt , sondern eher auf länger gehäkelten Überlegungen zu Weisen , die Welt zu bereden .

die-Wortwarte

Ganz entgegen den assoziativ agressiven Anmutungen , welche der Titel “Die Wortwarte” bei flüchtigem Hinsehen evoziert ( allerdings trennen das finale “-e” sowie das feminine Genus die Ausschau der “Wortwarte” vom Kadaver- Kanon eines Wort- Warts” ) , erweist sich Lothar Lemnitzers Tübinger Spracherfassungsprojekt mit dem schönen Untertitel “Wörter von heute und morgen” : Phänomenal , was hier nahezu täglich per spezialisierter Software an Material aufläuft . Jeder ideelle oder etwa ideologische Kommentar bleibt dankenswert ausgespart , wo sich Neo- und Promo- Logismen ohnehin selbstredend zur Kenntlichkeit entstellen .

Interessant ist die Regelmässigkeit , mit welcher gewisse Leitmedien wie die “Spiegel online” , “Süddeutsche” oder “Rheinische Post” schrille Materialien liefern . Was man - und die “Wortwarte” lässt mittels purer Verbuchung jede Interpretation zu - witzig finden kann oder eben just dies nicht . Wie hiess es noch in der der silvesternden Strauss- “Fledermaus” : “Chacun à son goût” .

lingo 09 orangeIm Folgenden eine - notwendig äusserst selektive - Liste von solcherart zusammengetragenen “Buzzwords” ( “Lärmwörter” ) des Jahres 2008 . Wobei es uns in|ad|ae|qu|at nicht etwa um die Komposition eines Kuriositätenkabinetts geht denn um den puren Vermerk sprachlicher Indizes : Im Schönen wie Schlimmen kennzeichnend für einige unter den volatilen Konjunkturen und Moden des verflossenen Jahres .

WORTISTIK

  • Begriffskonditor ( czz - herrlich bezeichnend für den PR- Komplex , wobei die Assoziation mit dem Handwerk des Zuckergiessens noch nachgerade liebliche Reminszenzen an die vorindustrielle Fertigung weckt )
  • Gammelfleischparty ( “Über das angebliche Jugendwort des Jahres muss hier nicht mehr viel gesagt werden …” )
  • Legosprache ( Deutsch sei eine ~ : Feststellung eines amerikanischen Politologen . Hat aber bereits 1897 Mark Twain gesagt . )
  • Pubertariat ( czz : siehe Neologismus des “Prekariats” und des Wortbildungs- Ausstrahlungskraft )
  • Seomantik ( czz : Suchmaschinenoptimierer unter sich . Man suche selbst und besehe sich deren Rede … )
  • Textonym ( Kontext SMS : “… weil POP ein Textonym zu SMS ist. Und ein Textonym wiederum ist ein Wort, das auf der Handy-Tastatur genauso getippt wird wie ein anderes. Stoff beispielsweise ist ein Textonym zu Runde, beide heißen nämlich 78633 … ” )
  • Wahrheitskrümmung ( czz : bekannt aus Politik und Werbung . Könnte im inneroralischen Sinne auch als “Lüge” bezeichnet werden )
  • Worrywart ( “ein schönes Beispiel für das gerade anbrechende Powerdeutsch-Zeitalter. Es ist laut leo.org die Bezeichnung für jemanden, der sich ständig Sorgen macht, einen Pessimisten oder Schwarzseher” )

WORTWARTE

Ein wahrer Ozean fast täglicher Kollektaneen , welche übers Jahr betrachtet an dieser Stelle absolut formatsprengend wären . Wir vermögen hier in|ad|ae|qu|at nur einige wenige Exempel zu zitieren . - Man möge unverzagt den Links folgen und sich an Ort und Belegstelle direkt delektieren -

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ZUKUNKTS- SPRUDEL- STRUDEL

lingo 09 orangeGeschneuzt und gekampelt” geht es nun in die “strudelbude” ( Monika Rinck , Begriffsstudio 2418 ) knapp am “mid-linguistic limbo ( ebda. , 2445 ) um rituell wie an jedem Jahreswechsel die “bewegtheit im thesenhafen” ( ebda. , 2540 ) des Zukunftsforschers und Trendwort- Sprudlers Matthias Horx zu überprüfen .

Zum Aufwärmen ein paar Takte relativ non- neologer und berufsoptimistischer Prosa , wie am 18. 11. in der FAZ zu lesen :

Strukturelle Rezessionen, wie wir sie jetzt einige Zeit vor uns haben, sind spannende Zeiten. Menschen und Gesellschaften konzentrieren sich auf die Substanz ihres Lebensmodells. Sie besinnen sich auf Werte. Und sie suchen nach einem neuen, authentischeren Paradigma. Eine der ersten Reaktionen ist das Sparen. Und dieses Sparen wirkt plötzlich befreiend: Man merkt, dass man vieles nicht nur eigentlich gar nicht brauchte, sondern dass die vielen Dinge zu purem Stress verkamen. Man verringert seine Abhängigkeiten - und siehe da: Es geht einem besser! Eine weitere Reaktion ist das Zusammenrücken. In allen Krisenzeiten gewinnen die genetischen Verbindungen, die strong bonds, an Gewicht. Familiäre Kontakte werden wiederbelebt. Alte Freunde wieder besucht. Alte Konflikte endlich verstanden. ( Krisen setzten Kräfte frei : Ganz entspannt am Abgrund )

Als Kontrast dazu Reinhard Mohrs Spiegel- Online- Prognose für 2009 ( Deutschland , ein Feuchtgebiet , 31. 12.  ) :

Dabei ist die Angst vor der Krise größer als die Krise selbst. Die anthropologische Erfahrung, aus Krisen gestärkt, gar gereinigt hervorzugehen, hat sich im Medienzeitalter verflüchtigt. Nun wird alles immer nur im Superlativ gemessen, genauer: gefühlt. Und da ist alles absolut. Absolut schlecht und absolut aussichtslos. Hilfe !

Ist diese Geisteshaltung , welche Horx in einem Telepolis- Interview ( 2. 1. 2009 ) als “apokalyptisches Spiessertum” geisselt ? :

Ich glaube, dass es heute eine Art innerer Verzagtheit gibt, wo sich die kulturellen, ökologischen und politischen Ängste mit einem enormen Beharren zusammentun – das nenne ich das „apokalyptische Spießertum“. Dieser Spießer ist jemand, der sich überhaupt nicht bewegen wird und die Welt dauernd als Katastrophe wahrnimmt, dies vor allem tut, um sich selbst zu erhöhen, sich zu bestätigen und Feinde zu definieren – das ist bei einem mangelnden Selbstwertgefühl auch immer sehr probat – und zu legitimieren, dass er für nichts die Verantwortung hat. Das nenne ich apokalyptisches Spießertum. ( Apokalyptisches Spießertum und der nach einer geilen Katastrophe gierende Mediendiskurs )

Horx tred report 2009

( click to XL )

Geistes- Gegenwart bedeutet für Horx , stets die Zukunft mitzudenken . Um dem einzelnen Laien und Schwärmen von lingo- durstigen PR- Leuten dies zu erleichtern , schenkt Horx der wartenden Welt wieder seinen legendären des “Trend- Report” ( volume 2009 ) und skizziert auf seiner Heimseite die “9 soziokulturelle Schlüsseltrends für die Märkte von morgen ” . Das Begriffs- Bingo beginnt !

  1. Soft-Kapitalismus - In der globalen Krise entstehen eine neue Weltordnung und ein neues Wertesystem ( czz : War aber , wie man hier sieht , im Jahr 2000 auch schnon mal angesagt )
  2. Offline-Trend - Der neue Reiz der Unerreichbarkeit
  3. Kreazipation - Das Bürgerengagement in der Netzwerkgesellschaft
  4. Bio-Yourself - Die Mikro-Ökologisierung des urbanen Lebensraums ( czz : Beispiel der Penthouse- Gärtnerin und Brotbäckerin Fiona )
  5. Biedermeier-Bolschewismus - Das linke Lebensgefühl avanciert zum Kleinbürger-Trend
  6. Ich war dabei ! - Die digitale Selbstvermarktung in der Erlebnisgesellschaft
  7. Club Couture - Die neue Ausschluss-Kultur
  8. Franchising Future - Die Werterevolution im Subunternehmertum
  9. Uniquability - Vom Arbeitnehmer zum Selbstunternehmer

lingo 09 orangeFehlt nur noch Trend Numero Zehn und den entlehnen wir einmal mehr dem Rinck’schen Begriffsstudio ( 2555 ) :

trotzyoga

Daran wollen wir uns in|ad|ae|qu|at halten . Womit auch schon alles über Perspektiven auf und Gute Vorsätze für Null Neun gesagt sei .

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Mad die Zeit auch ein rollendes Rad sei , welches , was heraufgebracht , zyklisch wieder czz-hoerempfehlungherunterholt : Paul Terry , dessen Projekt “higher sense xpoezure” unser in|ad|ae|qu|ates Haus- und Hof- Netlabel broque nach einem halben Jahr nun bereits zum zweiten Mal aus Sussex , GB , importiert . Die neue ep “dreamers” erhebt sich ebenso schwebend über die Nebel des Alltäglichen wie das Vorgängerwerk “time” . So lässt sich trefflich abheben und die andern quasseln . Auf in Traumtanz ins Neue . CLICK LINKS TO LISTEN : 01. dreamers | 02. return to the source | 03. cold fusion | 04. loss | 05. deadly nightshade

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